Wieviel von Richard Linklaters Waking Life mag wohl ein Traum sein? Vielleicht sogar alles? Der Held träumt, dass er aufwacht. Er spritzt sich Wasser ins Gesicht, geht hinaus und träumt wieder. Wir befinden uns aber nicht in einem surrealen Traumfilm. In Waking Life ist die Konversation genauso echt wie faszinierend - der Träumer muss intelligent sein! Oder doch nicht? Womöglich gibt er nur das wieder, was er so hört? Eine Frau erzählt ihm in einem Cafe von ihrer Idee einer Soap und er fragt sie, wie es sich anfühlt, eine Figur aus seinem Traum zu sein. Sie kann das nicht beantworten - wie auch, wenn sie nur ein Charakter seiner Imagination ist? Andererseits behauptet er, dass er sich all das unmöglich selbst ausdenken könnte. Es kam von aussen... Was ist Träumen überhaupt? Was geschieht mit uns, während wir träumen? Nehmen wir uns selbst wahr, aber ausserhalb unseres Körpers? Das ist eine der Erklärungen aus Waking Life. Und wenn wir sterben? Träumen wir dann fort? Doch das würde keinen Sinn ergeben, da ein Traum doch in unserem Gehirn iniziert wird. Oder doch nicht? Vielleicht glauben wir das auch nur? Waking Life ist gleichzeitig philosophisch und verspielt. Ein extravagantes Werk, das mit Footage Material "echter" Darsteller beginnt und sich dann zu einem Animationsfilm wandelt. Man nennt es Motion-Capture, da die realen Darsteller "ausgemalt" werden. Wir kennen das aus verschiedenen Blockbuster Produktionen, bei Linklater hat es allerdings nicht Millionen verschlungen. Dennoch wirkt sein Film lebendig, so dass es ein Vergnügen ist, seine Bilder zu bewundern! Linklater liebt es, den Menschen bei ihren Gesprächen zuzuhören - wobei er einen sehr hohen Standart der Unterhaltung schätzt. Es sind solche Gespräche, die wir selber führten als wir noch Studenten oder Schüler waren. Der Held aus Waking Life (dessen Namen wir nicht erfahren, der aber von Wiley Wiggins gespielt wird), ist aber ein mindestens genauso guter Zuhörer. Zuhören, das geht überall, ob in einer Bar oder sogar an der Brooklyn Bridge! Manche Szenen scheinen gar nicht miteinander in Verbindung zu stehen, so die Sequenz, in der ein Aktivist auf der Strasse Menschen anbrüllt. Es sind aber gar keine Passanten da, um ihn zu hören... Linklater liebt das Paradoxe an Träumen. Du träumst, um in einem ganz anderen Traum aufzuwachen. Wie kann man sich befreien? Die Freunde warnen unseren Helden, dass man sogar von Träumen hintergangen werden kann. Du kannst ihnen eine Richtung geben, sie bestimmen und doch geschieht alles genau JETZT. Das einzige, was immer funktioniert: Der Trick mit dem Licht. Schaltest du es aus und wieder an ohne Erfolg, dann träumst du. Der Held versucht es vergeblich. Natürlich, denn er träumt ja! Richard Linklater ist einer der besten Regisseure unserer Zeit. Er kann kommerzielle Komödien drehen oder Kunstfilme, er ist erfolgreich mit Ensemble-Filmen und mit Kammerspielen. In jedem Fall scheint er sich ungern zu langweilen und genauso langweilen wir uns auch nie in einem Linklater Film. Fast schon ungewöhnlich, das intensive Interesse, das Linklater seinem Subjekt schenkt! Linklater macht keine formellen Filme und das hält er nun schon fast dreissig Jahre durch! -
How much of Richard Linklaters Waking Life might be a dream? Maybe even everything? The hero dreams that he wakes up. He splashes water in his face, goes out and dreams again. But we are not in a surreal dream movie. In Waking Life the conversation is as real as it is fascinating - the dreamer has to be intelligent! Or is it not? Maybe he only reproduces what he hears? A woman in a cafe tells him about her idea of a soap and he asks her what it feels like to be a character from his dream. She can't answer that - how can she if she's just a character in his imagination? On the other hand, he claims that he couldn't possibly come up with all this himself. It came from outside... What is dreaming anyway? What happens to us while we dream? Do we perceive ourselves, but outside of our body? This is one of the explanations from Waking Life. What if we die? Do we dream away? But that wouldn't make any sense, because a dream is being initiated in our brain after all. Or is it not? Maybe we only believe that? Waking Life is both philosophical and playful. An extravagant work that begins with footage material of "real" actors and then turns into an animated film. It's called motion capture because the real actors are "painted". We know this from various blockbuster productions, but at Linklater it didn't devour millions. Nevertheless, his film seems alive, so it's a pleasure to admire his pictures! Linklater loves to listen to people in their conversations - and he appreciates a very high standard of entertainment. These are conversations that we had ourselves when we were students or pupils. The hero from Waking Life (whose name we don't know, but who is played by Wiley Wiggins) is at least as good a listener. Listening is possible everywhere, whether in a bar or even at the Brooklyn Bridge! Some scenes don't seem to be connected at all, like the sequence in which an activist yells at people on the street. But there are no passers-by to hear him... Linklater loves the paradox of dreams. You dream to wake up in a completely different dream. How can you free yourself? The friends warn our hero that you can even be betrayed by dreams. You can give them a direction, determine them and yet everything happens NOW. The only thing that always works: The trick with the light. If you turn it off and on again without success, then you dream. The hero tries in vain. Of course, because he's dreaming! Richard Linklater is one of the best directors of our time. He can make commercial comedies or art films, he is successful with ensemble films and chamber plays. In any case, he seems reluctant to get bored and we never get as bored in a Linklater film. Almost unusual, the intense interest Linklater gives his subject! Linklater doesn't make any formal films and he's been making it for almost thirty years now!
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