Ein Tim Burton Problem: Er schafft Bilder, benutzt Effekte, die man nie zuvor im Kino sah. Leider aber vermag er es nicht, seine Charaktere genauso herauszuarbeiten. Johnny Depp als Edward gibt einen Sonderling. Ich denke, er soll einen Jedermann darstellen, entsprechend des traurigen Clowns aus der Stummfilmzeit. Dumm nur, dass sämtliche Figuren im Film sonderbar und skurril überzeichnet sind. Edward ist anders, alle anderen sind es auch. Sie alle leben in einer andersartigen, künstlichen Welt. Auf einem Hügel befindet sich ein verwunschenes Gothic Schloss mit verrückten Nachbarn. Einzig die Avon Lady (Dianne Wiest) wirkt etwas menschlich und warmherzig. Sie findet den einsamen Edward. Seine Geschichte, rückblickend erzählt, ist sehr traurig. Edwards wahnsinniger Erfinder (Vincent Price) schaffte es, bis er starb, ihn zu erschaffen. Fast. Anstatt echter Hände verfügt Edward über Scheren. Deshalb ist sein Gesicht mit Narben übersäht und alles, was er berührt, wird zerschnitten. Die Avalon Lady aber ist darüber kaum beunruhigt. Sie stellt den Fremden ihrer Familie vor, der Tochter Kim (Winona Ryder) und dem Gatten Bill (Alan Arkin). Die Nachbarn tuscheln, sind neugierig - und Burton spendiert ein paar Einlagen wie aus einer Stummfilm-Komödie (etwa, wenn Edward versucht, eine Erbse aufzuheben). Im Grunde lebt Edward in einer Satire. Der Aussenseiter in der spiessigen Vorstadt. Leider entscheidet sich Burton aber abrupt zu einem Hollywood tauglichen Ende und gibt seinen satirischen Ansatz preis. Klar: Der Held und der Schurke treffen aufeinander und es darf geraten werden, wer gewinnt... Burton entwickelt seine Geschichte nicht über den Plot oder Dialoge. Es reicht ihm, dass jemand gewinnt bzw. verliert wird und alles vorüber ist. Wie schön wäre doch ein Finale, das auch unsere Fantasie anregt? Tim Burton Filme sehen wundervoll aus, doch eines hat er bis heute nie gelernt: Sollten Charaktere nicht mehr sein als blosse Karikaturen? Schablonen? Burtons Figuren aber besitzen keine Persönlichkeit. Ein Vakuum. Edward und seine Nachbarn, sie haben keinen Bezug zur Welt. Sie genügen sich als selbstbezogene Kuriositäten. Es bleibt ein schöner Bilderfilm. -
A Tim Burton problem: he creates images, uses effects that you've never seen before in the cinema. Unfortunately, he can't work out his characters in the same way. Johnny Depp as Edward gives an eccentric. I think he's supposed to be everyone, like the sad clown from the silent movie era. It's just stupid that all the characters in the movie are odd and bizarrely overdrawn. Edward is different, everyone else is. They all live in a different, artificial world. On a hill there is an enchanted Gothic castle with crazy neighbours. Only the Avon Lady (Dianne Wiest) looks a bit human and warm-hearted. She finds the lonely Edward. His story, told in retrospect, is very sad. Edward's mad inventor (Vincent Price) managed to create him until he died. Almost. Instead of real hands, Edward has scissors. That's why his face is scarred and everything he touches is cut up. But the Avalon Lady is hardly worried about it. She introduces the stranger of her family, daughter Kim (Winona Ryder) and husband Bill (Alan Arkin). The neighbors whisper, are curious - and Burton gives a few silent movie comedy interludes (like when Edward tries to pick up a pea). Basically, Edward lives in a satire. The outsider in the bourgeois suburb. Unfortunately, Burton abruptly decides on a Hollywood-suitable ending and reveals his satirical approach. Sure: The hero and the villain meet and it may be guessed who wins... Burton does not develop his story through plot or dialogue. It is enough for him that someone wins or is lost and everything is over. How nice would a finale be that also stimulates our imagination? Tim Burton films look wonderful, but one thing he has never learned until today: shouldn't characters be more than mere caricatures? Stencils? But Burton's characters have no personality. A vacuum. Edward and his neighbours, they have no relation to the world. They suffice as self-referential curiosities. It remains a beautiful picture film.
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Was hier nicht alles drin
Was hier nicht alles drin steckt! Eine zeitlose Satire über suburbane Americana; ein zu Herzen gehendes Märchen-Melodram; eine symphonische Verbeugung vor der Fantasie, dem Expressionismus und schlicht dem Außergewöhnlichen; ein leichtfüßiges Ensemble-Stück knalligsten Kleinbürgertums, geschmeidig und clever in deren Farben, Frisuren, Haustieren, Faszinationen, Ängsten, Nettig- und Schwierigkeiten eintauchend; eine klassisch-süße Jugend-Romanze; der unfreiwillige, doch symbolisch-aufrichtige Abschied von Leinwandlegende Vincent Price; ein Film von selbstverständlicher Güte und tiefem, auch sehr visuell veräußerlichtem Verständnis für missverstandene Aussenseiter und ihrer Ambition nach Zusammengehörigkeit mit ihren Mitmenschen; kalifornische Weihnachten; Provinznaivität und Schönheitswahn; zudem noch getragen von einer Rahmenhandlung der zauberhaften Gute-Nacht-Erzählung-mit-emotionaler-Reminiszenz. Da könnte man zweifellos noch ausführlicher werden, aber in diesem kaum gealterten 90er-Jahre-Werk von Tim Burton kann man so viel entdecken und lieben lernen, dass es sich kaum fassen lässt, wie natürlich das alles zusammenfindet. Eine schöne und noch bis zum heutigen Tage quicklebendige Leistung mit Tränengarantie!
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