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Filmkunstbar Fitzcarraldo 08.09.2017: Der Tagesspiegel schreibt: Videotheken in der Krise Warten aufs Revival Zwischen Ausbeutung und innovativen Geschäftsideen: Wie Videotheken auf den Boom von Amazon, Netflix & Co. reagieren. Sophie Krause. Im „Fitzcarraldo“ in der Reichenberger Straße trifft man einen gut gelaunten Martin Schuffenhauer. Der Besitzer der Kreuzberger Videothek hat gerade seine Bar geöffnet, es ist 17 Uhr. Man kann schlechtere Arbeitszeiten haben als er. Die Bar im Erdgeschoss, bestehend aus zusammengewürfelten Filmrequisiten, Kunstblumen und Lametta, vergleicht er mit einem „explodierten Weihnachtsgeschenk“. Im Keller stehen mehr als 10 000 DVDs, akribisch nach Genre und Herkunftsland sortiert, in handbeschrifteten Regalen. Seit 2012 ist das „Fitzcarraldo“, zuvor als „Videothek Roderich“ bekannt, eine Filmkunstbar. Schuffenhauers Strategie: „Die Bar soll das Geld verdienen, aber ich investiere immer weiter in Filme und kaufe sogar noch mehr dazu.“ Die Filme sind sein Hobby, die Bar sein Broterwerb. Gerade laufe der Verleih gut, erklärt er selbstgewiss. Den Kunden dämmere, dass die Auswahl von Streaming-Anbietern wie Netflix und Amazon sehr begrenzt sei, glaubt Schuffenhauer. Viele Arthouse-Filme und Klassiker würden dort schlicht fehlen. „Woher willst du deine Filme bekommen, wenn du gezielt etwas suchst?“ Auch auf illegalen Streaming-Seiten, die Filme kostenlos anbieten, gäbe es nicht alle Titel. Dennoch seien offenbar viele Kunden bereit, sich Filme mit schlechter Bildqualität sogar auf dem Smartphone anzusehen. Weil die Kunden ausbleiben, stehen viele Videothekare vor der Wahl, sich selbst auszubeuten oder einen Nebenerwerb zu finden, der ihre Miete sichert. Ein Patentrezept sucht man vergebens. Die Kult-Videothek „Traumathek“ in Köln etwa rettete sich durch Patenschaften und Spenden. Doch Geschäftsmodelle wie die „Filmkunstbar“ gefallen nicht jedem, gleichen sie doch einem Verrat an der Zunft. Schuffenhauer meint: „Ein Videothekar hat ja etwas Soziopathisches. Der kann nicht mit Menschen umgehen, guckt Filme und isst nachmittags Kekse. Ein Barkeeper dagegen muss gesellig sein.“ Im „Fitzcarraldo“ ist er der einzige Videothekar, der die Kunden beraten kann. Seine Angestellten sind Barkeeper. Wenn er einen Film nicht hat, schickt Schuffenhauer seine Kunden ins „Videodrom“, Berlins älteste Programmvideothek. Dass deren Inhaber Karsten Rodemann vom Getränkemixen und Onlineverleih nichts hält, ist in der Branche weitgehend bekannt. Das Videodrom lebt von seinem Ruf, von Rodemanns Expertise und seiner immensen Auswahl aus über 30 000 Filmen. DVD-Bestand auf 2 000 Titel minimiert Seit Jahren singen Journalisten den Abgesang der Videotheken. Anne Petersdorff, Inhaberin der Lichtenberger Kiez-Videothek „Madeleine und der Seemann“, möchte deshalb erst nicht mit der Presse sprechen, schließlich sei zum Thema Videothekensterben alles gesagt. Ohnehin sei die „Madeleine“ keine richtige Videothek mehr, sondern ein Café mit Softeis, Kinderspielecke und gelegentlichen Filmvorführungen, sagt sie. Ihren DVD-Bestand hat Petersdorff auf 2 000 Titel minimiert, nur noch Kinderfilme, die nach wie vor gut laufen, und ausgewählte Neuheiten verleiht sie. Vor einem halben Jahr wollte sie die „Madeleine“ schließen, doch die Nachbarschaft stand hinter ihr. Die Umwandlung in ein Café bedeutet für Petersdorff die Aufgabe des Traums, vom unhaltbaren Filmverleih leben zu können, und den Neuanfang als Gastronomin mit kleinem, gepflegtem Filmbestand. Sofas und Tischchen ersetzen nun die Filmregale, ein Konzept, das man so ähnlich auch aus einigen Buchläden kennt. Angesichts der Konkurrenz im Netz resigniert Petersdorff. Gelegentlich seien Kunden gekommen und hätten ein DVD-Regal abfotografiert, um die Filme dann vermutlich zu Hause zu streamen. „Dagegen kann ich nichts machen.“ Ähnlich pragmatisch sieht es Franziska Tettschlag, Inhaberin der Videothek „Filmfreund“ auf der gegenüberliegenden Seite der S-Bahn-Trasse. Viele Kunden wüssten gar nicht, dass ihr Eckladen in der Corinthstraße eine Videothek sei. Von außen sieht der „Filmfreund“ aus wie ein Spätkauf mit Internetcafé. Die gelernte Kostümschneiderin hält sich mit einer integrierten Postfiliale, Getränkeverkäufen und Lotto über Wasser. Als Späti versteht sie ihren Laden nicht, die Getränke und Snacks wurden eher unfreiwillig vom Videotheken- zum Späti-Inventar. Früher, das heißt zu DDR-Zeiten und nach der Wende, verkauften Tettschlag und ihr Mann Schallplatten. Tettschlag war dabei, als alle wichtigen Speichermedien ausstarben. In einem Durchgangszimmer und im hinteren Raum stehen DVD-Regale. Viele Filme hat Tettschlag verkauft, an einigen Titeln hängt sie. Etwa 50 bis 100 Filme verleiht Tettschlag monatlich, rund 3000 Filme zählen noch zu ihrem Bestand. „Ich glaube nicht, dass man den Verfall der Videotheken aufhalten kann“, sagt sie. Nur wer seinen Kunden zusätzliche Angebote schaffe, könne überleben. Auch in anderen Städten haben sich Videotheken ihre langen Öffnungszeiten zunutze gemacht und ihre Läden zum Spätkauf erweitert. Das funktioniert: Immer wieder betreten Kunden den „Filmfreund“, kaufen Getränke oder spielen Lotto. In der Branche glauben viele an ein Revival der Videotheken. Doch Experten warnen vor voreiligen Schlüssen: „Die Prognose, dass Videotheken zu den Liebhaber-Plattenläden der nächsten Jahre werden, ist mit Vorsicht zu genießen“, sagt Tobias Haupts, Filmwissenschaftler an der Freien Universität Berlin. „Das betrifft vielleicht sogenannte Kult-Videotheken wie die ,Traumathek‘, das ,Videodrom‘ und ähnliche. Das ist aber kein Versprechen für die Zukunft.“ Krisensituationen habe es schon in den 80er und 90er Jahren gegeben, so Haupts, auch Ende der Nullerjahre seien die Videotheken totgesagt worden: „Jetzt haben wir 2017, und es sieht zwar schlecht aus, aber es gibt sie noch.“ Auch Beiprogramme wie Snackangebote oder Cafés hätten Videotheken schon immer geführt, erinnert Haupts, „aber ob das die Videotheken retten wird, weiß ich nicht.“ Franziska Tettschlag ist mit Prognosen vorsichtig. Sie erkennt noch keine DVD-Nostalgie. „Fitzcarraldo“-Chef Schuffenhauer hingegen ist sich sicher: „Irgendwann werden die Leute sagen: ‚Da gab es doch dieses tolle Medium, diese silbernen Scheiben, und Videotheken waren doch total nett. Man wurde beraten und es war keine Maschine!‘“ Vielleicht gibt es das „Fitzcarraldo“, den „Filmfreund“ & Co. dann immer noch. - Vielleicht? Nein. Mit Sicherheit, sage ich. (Quelle: http://www.tagesspiegel.de/medien/videotheken-in-der-krise-warten-aufs-revival/20298154.html)
Filmkunstbar Fitzcarraldo 16.08.2017: Thursday Nights at Filmkunstbar Fitzcarraldo!
Filmkunstbar Fitzcarraldo 17.07.2017: Wir sehen uns Donnerstag Nacht!
Filmkunstbar Fitzcarraldo 21.06.2017: Diese DVDs erwarten euch im Monat Juli sowie den letzten Tagen des Junis: Paterson, Raving Iran, The Salesman, Love & Friendship, Born To Be Blue, Moonlight, La La Land, Brimstone, Miss Sloane, Get Out, 20th Century Women, A Monster Calls, Ghost In The Shell (2017), Gold, Silence stehen schon im Regal. T2 Trainspotting, Der Eid, Personal Shopper, Billy Lynn's Long Halftime Walk bald!
Filmkunstbar Fitzcarraldo 14.01.2017: youtube: Woody Allen - Magic In The Moonlight. Im neuen Allen Film wird Kate Winslet mitspielen, in Magic In The Moonlight Emma Stone, die wir alle lieben! - Unten im Keller unserer Filmkunstbar Fitzcarraldo füllt sich eine ganze Regal Ebene mit Woody Allen DVDs. Pro Jahr eine mehr. Der zwanghafte Filmemacher Woody Allen versucht dabei, jedem einzelnen seiner Filme diesen gewissen "Swing" mitzugeben. Es scheint eine Vorgabe von ihm selbst zu sein, die er erreichen muss. Leider sind seine Filme mittlerweile in unschöner Regelmässigkeit mit einer Enttäuschung verbunden. Allen zollt seiner eigenen Arbeit einfach nicht mehr den genügenden Respekt und fabriziert, seit 1983 wie ein Uhrwerk einen Film pro Jahr. Es treibt ihn dabei aber schon länger kein genialischer oder künstlerischer Impuls mehr an. Dabei befinden wir uns seit 2005 "offiziell" in einer Allen Renaissance. In diese Zeit fällt nicht nur sein erfolgreichster Film überhaupt (wohlbemerkt, nicht im künstlerischen Sinne), sondern auch einige Oscars. Magic In The Moonlight ist nicht einmal so dicht dran an einem Disaster wie andere Filme aus dieser Phase. Allen stagniert in seinem Genre der eleganten und neurotischen Romantic Comedy. Magic In The Moonlight spielt wieder in der Vergangenheit (wie so viele der neueren Allen Werke), in den europäischen 20ern. Immerhin kann sich Allen so davor drücken, Dialoge zu schreiben, die so klingen wie Dreissigjährige heute sprechen würden. Die Voraussetzungen, zugegeben, klingen charmant: Colin Firth spielt einen berühmten Bühnen Magier wird von einem alten Freund angeworben, nach Südfrankreich zu reisen, um eine junge Frau zu entlarven, die sich als Spiritualistin verdient. In diesem Moment scheint sie eine reiche amerikanische Familie zu täuschen. Die Frau, die mit der Nachwelt kommuniziert, wird entwaffnend gespielt von Emma Stone (Allens neuer Muse). Der Magier kann aber kein Täuschungswerkzeug finden und vollzieht eine 180 Grad Drehung. Er wird zu einem Glaubenden. Eine tiefe Dankbarkeit erfüllt den vormaligen Zyniker. Doch kann diese auch in romantische Gefühle umschlagen? Manche Liebhaber dieses letzten Allen Films gehen nun davon aus, eine neue Tiefe der Gefühle bei ihm zu entdecken. Womöglich ist der Autor selbst milder und nachdenklicher geworden? Aber genauso wenig wie Allen spirituell geworden ist, hält dieses Gefühl im Film an. Leider entwickelt sich Magic In The Moonlight ab diesem Moment nur noch schlaff und diffus. Das kommt daher, weil der Film zögert, endlich in einer Romanze zu erblühen. Vermutlich liegt das auch daran, dass Colin Firth etwas zu alt ist, um Emma Stone für sich zu gewinnen (ich schreibe das nur ungern, denn ich bin ja auch schon ziemlich alt). Oder dürfen wir die Ladehemmungen der zweiten Hälfte etwa so verstehen, dass Allen womöglich etwas wirklich anderes versuchen wollte? Schliesslich fällt die Komödie zurück auf einige Allen Standarts. Da ich als - jawohl! - grosser Fan alle Filme von ihm gesehen habe, spielte ich ein Spielchen: Ich versuchte die romantischen Phrasen jeweils den früheren Filmen von ihm zuzuordnen, aus denen sie entliehen sind. Das einzig Neue stellt das schnörkellose Spiel von Colin Firth dar. Emma Stone wirkt wie gewohnt lebendig und natürlich. Einige weitere Schauspieler machen ebenfalls recht gut ihre Arbeit. Sie alle aber sind in Rollen gefangen, die doch leblos angelegt sind. Woody Allen kreiert mit seinem Spätwerk ein eigenes Comic Universum. Bestimmt hat er seinen nächsten Film schon abgeschossen... (Wir stellen nicht den Film, nur den link zur Verfügung) (Bild: https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/originals/c8/8e/3d/c88e3dcbaeb0e4919c67cb9d1fb2f05d.jpg)