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Literaturverfilmung

moderne Literatur (Part 1)
Ein Romanerfolg wird zwangsläufig verfilmt und egal wie dürftig das Ergebnis ist, die Zuschauer wollen es sehen. Im Zweifelsfall reicht ihnen der Vergleich eigener Vorstellungen mit denen des Filmemachers. Die aufgelisteten Literaturverfilmungen sind allesamt modern, also noch aus dem letzten Jahrhundert. Die Schwierigkeiten, einen berühmten Roman zu verfilmen, erfuhr Blake Edwards mit Breakfast at Tiffany´s. Der grösste Unterschied von Roman und Film ist das offene Schicksal Holly Golightlys im Roman versus das Happy Ending des Films. Im Roman ist Holly eine Frau, die mit Männern schläft, um etwas zu verdienen, im Film sieht man das nicht. Entgegen aller Kritik, vor allem der von Truman Capote selbst, ist Edwards Film von ganz eigenem Tonfall. Bittersüss mit der Musik von Henry Mancini, so dass der Film ein Eigenleben entwickelt gegenüber dem düsteren Roman entwickelt. Richard Brooks In Cold Blood bleibt dagegen eng an Capotes Roman und stellt fast dokumentarisch an Originalschauplätzen einen Mord da – genauso authentisch wie die Vorlage. In Fahrenheit 451 übernimmt Truffaut von Bradbury nur die Idee einer bücherlosen Gesellschaft, doch statt einer unmenschlichen Gesellschaft führt er behäbige Kleinbürger vor, die einfach nur funktionieren. Es gibt keine Flucht aus diesem utopischen Staat, die eine andere Zukunft weisen würde. Clockwerk Orange von Stanley Kubrick zeigt in der Verwertung des Films und der Begegnung zahlreicher Vorwürfe das schleichende Zerwürfnis mit dem Autor Burgess. Der sah sich von Kubrick als Pfand der Vermarktung missbraucht, obwohl im Vorspann nur der Name des Regisseurs prunkt. Burgess erste Reaktion war die, dass der Film vielleicht sogar zu brillant sei, was dem Vorwurf der Gewaltverherrlichung gleichkommt. Solaris von Tarkowski nach Stanislaw Lem, zeigt den Konflikt von Selbstüberwindung und der Bedingtheit des eigenen Schicksals. Tarkowski las Lem als philosophischen Roman und kritisierte, dass der begriff SciFi viel zu eng sei. Dennoch war Lem immer unzufrieden mit dem Film und auch Tarkowski distanzierte sich später davon, dass Solaris entgegen seiner eigenen Analyse zu sehr nach Science Fiction aussehe. Moderne Klassiker sind Blade runner, No country for old men, Fear and loathing in Las Vegas und Die Klavierspielerin. Alle Filme schaffen das Unmögliche, eine schwieirge Vorlage überraschend souverän umzusetzen. Philip K. Dicks Romanvorlage für Ridley Scotts Blade Runner geht von seelenlosen Replikanten aus und der Feststellung, dass sich Menschen manchmal wie Maschinen verhalten. Im Film ist es genau umgekehrt, der Reiz entsteht aus den menschlichen Gefühlen der Replikanten. Scotts Film nimmt ausserdem Metroplis und den klassischen Film Noir für sein albtraumhaftes Zukunftsdesign. No country for old men der Coen Brüder nach Cormac McCarthy behandelt die Vorlage voller Respekt und stellt einen unmöglich guten Film dar, eine Beschwörung von Zeit und Raum, der Natur des Menschen und des Schicksals. Fear and loathing in Las Vegas von Terry Gilliam nach Hunter S. Thompson lässt der überbordenden Phantasie Gilliams endlich einmal freien Lauf. Grotesk, bizarr und saukomisch ist das Gilliams bester und geschlossenster Film. Die Klavierspielerin (La Pianiste) von Michael Haneke ist durch und durch österreichisch, nach dem Roman von Elfriede Jelinek, über ihre eigenen Minderwertigkeitsgefühle. Die Klavierspielerin ist mütterlicher Phallus und Ehemann zugleich, „bis das der Tod uns scheidet“. Haneke setzt das mit filmisch eisiger Autorität um und manipuliert den Zuschauer genauso wie bei Funny bones. Literatur und Film als kongeniale Einheit. (Titelbild: American Psycho)